Blockchain in der Praxis: Wie Siemens mit MicroGrids den Stromsektor revolutioniert

Blockchain in der Praxis: Wie Siemens mit MicroGrids den Stromsektor revolutioniert

Die Blockchain ist ein mehr oder minder abstraktes Konstrukt. Viele haben den Begriff gehört, wenige können ihn mit Wissen füllen, noch weniger Menschen können konkrete Anwendungsgebiete oder Vorteile artikulieren. Mehr als neunzig Prozent der DAX-Unternehmen beschäftigen sich mit der Blockchain. Die Forschung und Entwicklung steckt in vielen Großkonzernen noch in den Kinderschuhen und geht bisher in den meisten Fällen nicht über Studien hinaus. Das Bewusstsein, dass die Distributed-Ledger-Technology (DLT) die Grundlage für viele mit der Digitalisierung einhergehende Innovationen darstellt, ist dagegen branchenübergreifend vorhanden. Das Ausmaß des disruptiven Potenzials, welches der Blockchain innewohnt, zeigt sich bereits in einigen Anwendungsbeispielen.

 

Kritiker von Blockchain und/oder Kryptowährungen bemängeln dass die Technologie überbewertet sei. Es seien vor allem noch Konzepte und unrealisierte Ideen, die den Hype ausmachten. Tatsächlich gibt es aber in verschiedenen Bereichen bereits erfolgreiche Anwendungsmodelle die etablierten Marktteilnehmer das Fürchten lehren.

 

Disruption des Energiesektors

Mithilfe der Siemens Digital Grid Division konnte der lokale Energieanbieter Brooklyn MICROGRID (https://www.brooklyn.energy/) in New York die Energiewirtschaft revolutionieren. Das traditionellen System, bei dem Erzeugung und Verteilung von Elektrizität zentralisiert stattfindet (durch sogenannte Macrogrids), hat durch einen lokalen und dezentralisierten Dienst auf Blockchain-Basis Konkurrenz bekommen. Bei diesen sogenannten Microgrids wird die Energie von lokalen Privatpersonen erzeugt und die überschüssige Elektrizität wird in das Netz eingespeist. Anwohnern wird die Möglichkeit geboten, Ihre Elektrizität direkt von Ihrem Nachbarn zu erwerben. Auf einer Börse wird die Energie gehandelt. Klassische Marktmechanismen sorgen für einen geringen Preis. Die Ressourcenallokation wird optimiert und sowohl private Stromanbieter als auch Endkunden profitieren von dieser Lösung, die einen zentralen Verteiler oder Intermediär überflüssig machen.

 

Smart Contracts

In Abbildung 1 sehen wir, wie der Prozess abläuft. Martha hat eine Solaranlage und ist damit sowohl Produzent von Energie, als auch der Konsument Ihres eigenen Produktes. Ihren Überschuss kann Sie an Ihren Nachbarn verkaufen. Dieser Prozess läuft über eine Plattform auf der Ethereum Blockchain ab („TransActive Grid“). Auf dieser kann der Nachbar die von Martha erzeugte Energie beziehen, wenn sich die beiden auf einen Preis einigen. Die Plattform bezahlt Martha dann vollautomatisiert für die Elektrizität, die von Ihrem Nachbarn bezogen wurde (durch einen sogenannten Smart Contract). Die Transaktionskosten werden ebenso minimiert wie die bürokratischen Prozesse, die ein klassischer Energieversorger zwischenschalten würde.

Die Rahmenbedingungen für diese technologische Neuerung sind in den Vereinigten Staaten derzeit liberaler gestaltet. In Österreich oder Deutschland ist der Verkauf von privat erzeugter Energie noch stark beschränkt. Energiekonzerne werden per Gesetz noch vor steigendem Wettbewerb aus dem Privatsektor geschützt. Erste Versuche die sogenannten Microgrids auch bei uns zu etablieren finden im bayrischen Allgäu statt (https://www.auew.de/).

 

Was wir von den MicroGrids lernen können

Zweifelsohne handelt es sich bei den Brooklyn MicroGrids um ein Leuchtturmprojekt, welches durch seine Operabilität und seinen Praxisbezug überzeugt. Es handelt sich dabei aber ebenfalls um ein Beispiel für eine Reihe von starken Unternehmen und Ideen, die etablierte Märkte aus dem fast schon monopolistischen Gleichgewicht bringen können. Besonders in Sektoren, die wir als fast alternativlos hingenommen haben und Preise diktieren konnten, kann die Blockchaintechnologie für nachhaltige Veränderung sorgen. Es ist vorstellbar, dass (wenn die Stromnetze auf eine passende Kapazität ausgebaut werden würden) wir in Österreich bald überschüssige Energie von dem spanischen Landwirt erwerben können, der die überschüssige Energie die seine Photovoltaikanlage produziert auf einem Marktplatz zum Verkauf anbietet. Intermediäre werden so ausgeschaltet, verwaltungs und transferkosten minimiert.

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